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Kölns Technologiegeschichte im Ausland erfolgreich.

Reinhard Krischerder, Autor des Buches Alweg-Bahn, zur Eröffnung der Las Vegas Monorail.

Der neue Bundespräsident Horst Köhler hat gesagt, Deutschland müsse ein Land der Ideen werden!

Schöne Worte!

Aber woher soll man neue Ideen nehmen und wie soll man sie umsetzen?

Um diese Fragen zu beantworten, schaue man sich am besten Ideen an, die einst in Deutschland entwickelt wurden, aber an dem scheiterten, was man heute als „Mangel an Innovationsgeist“ bezeichnet. Ideen hat es immer schon gegeben, doch verhindert wurden sie oft durch besserwisserische Kritik irgendwelcher Experten oder bürokratischen Kleingeist. Das sind nur zwei Elemente, die zur chronischen deutschen Innovationsfeindlichkeit beitragen. Aber es sind entscheidende Elemente, die einer Suche nach neuen Ideen im Wege stehen.

Eine dieser alten, in ihrer Heimat fast vergessenen Ideen, wird ab dem 15. Juli 2004 in der amerikanischen Glücksspielmetropole Las Vegas im Wüstenstaat Nevada für Staunen und Schlagzeilen sorgen. Dort wird an diesem Tag das erste Kernstück einer hochmodernen Einschienen-Stadtbahn eingeweiht, deren Technikkonzept in den 1950er und 60er Jahren in Deutschland entwickelt wurde.

Pro Jahr besuchen 36 Millionen Touristen Las Vegas, von denen viele mit dem Auto anreisen. Um die dadurch entstehenden Verkehrsprobleme und die zunehmende Luftverschmutzung besser in den Griff zu bekommen, beschloss man, eine Stadtbahn zu bauen, deren wichtigste Haltestellen die berühmten Hotel-Casino-Giganten sind, zu denen es die Touristen zieht. Statt per Auto oder Bus über die legendäre Amüsiermeile „The Strip“ zu schleichen, können die Besucher (aber auch die riesige Anzahl der dort Arbeitenden) nun mit einer hochmodernen Einschienenbahn (englisch: monorail) in luftiger Höhe von „Highlight“ zu „Highlight“ gleiten.

Längst kommen die Touristen nicht mehr nur nach Las Vegas, um in den Casinos ihr sauer verdientes Geld zu verspielen oder um eine der vielen berühmten Shows mit den Superstars der Entertainment-Welt zu besuchen. Inzwischen gibt es in Las Vegas außer der Casino-Landschaft auch eine disneyhafte Erlebniswelt, die Nachbildungen klassischer Architekturweltwunder, feuerspuckender Vulkane und Piratenschlachten zu bieten hat. Selbst die anspruchsvolle Kultur kommt nicht zu kurz, da zum Beispiel die ausgestellten Exponate der Kunstsammlung des Besitzers des Bellagio-Hotel-Casino-Komplexes zahlreicher sind als die mancher Kunstmuseen im weit entfernten „Alten Europa“.

Schon 1995 hatten die Hotel-Casino-Riesen MGM Grand und Bally’s sich eine eigene 1,6 km lange Einschienenbahn-Verbindung geleistet. Zwei schnittige Monorail-Züge, die zuvor im Disneyworld©-Park in Florida in Dienst gewesen waren, boten den Hotel- und Casinogästen einen sehr beliebten Pendelservice zwischen diesen Vergnügungstempeln.

Der Erfolg dieser Bahn überzeugte die Stadt, zusammen mit den führenden Unternehmen vor Ort, eine ausgedehnte doppelbalkige, vollautomatisierte Einschienenbahn als Stadtbahn zu bauen. Komplett privat finanziert wurde im August 2001 mit dem Bau des 6,4 km langen Kernstücks begonnen. Der kanadische Weltkonzern Bombardier, der bereits die letzte Generation der in den USA allgemein bekannten und geliebten Disney-Monorails gebaut hatte, erhielt den Auftrag, für Las Vegas moderne computergesteuerte Monorail-Züge zu entwickeln.

Im „Alten Europa“, besonders in Deutschland und dort ganz speziell in Köln, ist dagegen heute kaum noch bekannt, dass die ersten Disney-Monorail-Züge und deren Balkenfahrstrecke 1959 unter Anleitung von Ingenieuren der Firma Alweg aus Köln-Fühlingen, bei der Walt Disney Lizenzrechte gekauft hatte, in Kalifornien gebaut wurden.

Die Firma Alweg, 1951 in Köln gegründet, stellte 1952 auf ihrem Versuchsgelände in Köln-Fühlingen erstmals ihr Einschienenbahn-Konzept der Öffentlichkeit vor. Die Alweg-Bahn machte weltweit Schlagzeilen. Sie sollte seinerzeit das Eisenbahnwesen revolutionieren, weil sie weniger Platz, Bauzeit, Kosten und Wartung als die konventionelle Zweischieneneisenbahn brauchen würde. Doch schon damals herrschte in der Bundesrepublik eben das, was man heute als „Mangel an Innovationsgeist“ umschreibt. Niemand brachte genug Mut und Weitblick auf, der Alweg-Bahn eine Chance zu geben. Auch die Stadt Köln selbst, vor deren Toren diese seinerzeit vielbeachtete Bahn bis 1967 weiterentwickelt und erprobt wurde, erkannte deren Potenzial nicht.

Genau wie heute der Transrapid, musste die Alweg-Bahn ins Ausland ausweichen, um zu zeigen, was sie zu leisten vermochte. Alweg-Referenzstrecken wurden 1961 in Turin und 1962 in Seattle gebaut (wo sie noch heute fährt und einer ihrer beiden Züge am 12. März dieses Jahres seine millionste Meile absolvierte und wo der Bau eines Monorail-Stadtbahnsystems im konkreten Planungsstadium ist). In den Disney-Parks in Kalifornien und Florida tun die Monorails nach wie vor erfolgreich ihren Dienst und im Disney-Park Tokio wurde im Jahr 2001 ebenfalls eine ausgedehnte Monorail-Strecke in Betrieb genommen. Die japanische Weltfirma Hitachi hatte Anfang der 1960er Jahre Patentlizenzen von Alweg in Köln gekauft und baut seitdem hochmoderne Einschienenbahnen in Japan, China, Singapur und demnächst auch Indonesien. In Malaysiens Hauptstadt Kuala Lumpur verkehrt seit 2003 eine weitere Monorail, deren Technik auch auf dem Alweg-Konzept basiert.

Die Entwicklung der Alweg-Bahn, die in Fachkreisen als „gummibereifte Satteleinschienenbahn“ beschrieben wird, und deren Technikprinzip nun aktuell bei der in Las Vegas eingeweihten Monorail zur Anwendung kommt, begann also ursprünglich 1951 in Köln-Fühlingen. Schaut man sich die schnittig futuristischen Züge der Las Vegas Monorail und deren luftige Streckenführung an, so sieht man, dass dieses in seiner Heimatstadt fast vergessene Einschienenbahn-Konzept nun endlich die Würdigung erfährt, die ihm so lange verwehrt blieb. In Las Vegas wird gezeigt, was es alles kann und wie elegant es in ein modernes Stadtbild passt. Erweiterungen der Las Vegas Monorail, z.B. zum Flughafen, sind bereits in der Planung.

Es ist ein langer Weg vom Fühlinger Alweg-Versuchsgelände der 1950er und 60er Jahre bis nach Las Vegas ins Jahr 2004. Man kann sich nicht des Verdachts erwehren, dass eine Analyse dieses Weges Ursachen aufzeigen könnte, die erklären helfen, wie die ideenreiche Wirtschaftswunderrepublik zu ihrer heutigen Reformbedürftigkeit abgewirtschaftet werden konnte.

Ein Vergleich der einstigen Alweg-Vision mit dem, was die Las Vegas Monorail heute zu bieten hat, verdeutlicht, was die Firma Alweg bereits in den 1950er Jahren zukunftsweisend entwickelt hatte: ein Verkehrssystem, das entscheidend zur Entlastung des städtischen Automobilverkehrs beitragen kann. Seine entscheidenden Vorteile gegenüber konventionellen Zweischienensystemen sind seine straßenunabhängige und kreuzungsfreie Streckenführung in der zweiten Ebene, seine umweltfreundliche Technik (stromgetrieben und dank Gummibereifung leise), seine schnelle und einfache Bauphase (mit minimaler Behinderung des bestehenden Straßenverkehrs) und sein schlanker Balkenfahrweg, der vom Profil her wesentlich weniger Platz und Licht raubt als es herkömmliche Hochbahnen tun. Hinzu kommt das, was man zusammenfassend am besten als die spezielle Einschienenbahn-Ästhetik bezeichnen könnte, die diese Bahnen überall dort, wo sie im Einsatz sind, so beliebt und so stark frequentiert machen. Es ist ihr futuristisch modernes Aussehen und insbesondere das eher dem Fliegen ähnliche Hinweggleiten über den Straßenverkehr. Aus sicherheitstechnischer Sicht ist zudem zu betonen, dass es beim Einschienenbahnverkehr keine Gefährdung von Fußgängern und keine zu Schrott zerdrückten Automobile, keine kreischenden Radsätze und keine sich im Gleisbett fortsetzenden Fahrgeräusche gibt.

All diese Vorteile wurden leider schon in den 1950er Jahren hierzulande konsequent von sogenannten Verkehrsexperten, Stadtplanungsbürokraten und Vertretern der konventionellen Zweischienen-Eisenbahnindustrie als impraktikable Spinnereien abgetan. Und damals wie heute befleissigen sich schlecht informierte Journalisten mit dem Nachbeten dieser Meinung.

Folglich wurden nicht in Alwegs Heimat Alweg-Referenzstrecken gebaut, sondern dort, wo man sehen wollte, wie innovative Zukunft gestaltet werden könnte.

Die Alweg-Vision ist eine in Deutschland entwickelte Idee. Wer sehen will, was in Köln-Fühlingen einst von den Alweg-Mitarbeitern entwickelt und in aller Welt bekannt wurde, muss heutzutage in eben diese hinaus, weil diese Vision in ihrer Heimat an der Ideenlosigkeit jener Instanzen scheiterte, die in Deutschland für innovative Zukunft zuständig waren und sind. Ab dem 15. Juli 2004 wird in Las Vegas zu sehen sein, wie die angeblich gescheiterte Alweg-Idee in ihrer aktuellsten Form das Bild einer modernen Metropole ganz entscheidend positiv prägen wird ...

von Reinhard Krischer Juli 2004

Das Buch Alweg-Bahn von Reinhard Krischer


URL: Homepage Alwegbahn
Meldung vom 16.07.2004

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