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Stadler trotzt der Eurokrise

Auch für Stadler Rail war das vergangene Jahr geprägt vom Kurssturz des Euro und der EU-Schuldenkrise. Dank des hohen Auftragseingangs aus den Jahren 2008 – 2010 stieg der Umsatz 2011 auf CHF 1,39 Mrd. und die Mitarbeiterzahl ist mit 4500 um rund 1000 höher als vor einem Jahr. Der Bestellungseingang betrug 2011 CHF 1,3 Mrd. und lag damit unter dem durchschnittlichen Wert der letzten Jahre. Mit grossem Erfolg sind seit Mitte Dezember 2011 vier völlig neuentwickelte Fahrzeugserien im Einsatz: Die Doppelstockzüge KISS für die SBB bei der S-Bahn Zürich, die Intercity-KISS für die österreichische Westbahn und die Tango-Trams in Basel und Genf.Erfolgreicher Start der KISS- und Tango-Flotten

Aus der ersten Serie von 50 KISS für die SBB gingen die ersten Fahrzeuge Mitte Dezember in den Fahrgastbetrieb. Seit Februar 2012 verkehren sie, teilweise in Doppeltraktion als zwölfteilige Züge, auf der wichtigsten Linie der Zürcher S-Bahn, der S12 Winterthur – Zürich – Brugg. Inzwischen sind bereits 12 dieser SBB-KISS ausgeliefert, weitere 4 wurden aus der ersten Optionsbestellung für den Regioexpress-Verkehr an die SBB übergeben.

Pünktlich zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2011 konnte die gesamte Flotte von sieben KISS für die österreichische Westbahn GmbH für die Strecke Wien – Linz – Salzburg in Betrieb genommen werden. Es sind die ersten Intercity-Doppelstöcker aus dem Hause Stadler. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Alle Fahrzeuge stehen täglich im Einsatz, die Betriebspause in der Nacht wird für die Wartung in Linz genutzt, mit der die Westbahn Stadler Rail beauftragt hat.

Die Baselland Transport BLT hat am 11. Dezember auf den Linien 10 Ettingen – Basel SBB – Dornach und 17 Ettingen – Schifflände – Wiesenplatz den 7 ½-Minuten-Takt eingeführt. Sie benötigte dafür die ersten vier Tangos der Serie von 15 Fahrzeugen. Bereits 2008 waren vier Tangos als Vorserienfahrzeuge an die BLT geliefert worden, wodurch die BLT letztlich über 19 Kompositionen verfügen wird.

Die Genfer Verkehrsbetriebe TPG haben auf den Fahrplanwechsel die neue Linie 14 (Meyrin – Onex – Bernex) in Betrieb genommen und mussten daher rechtzeitig die ersten sechs der bestellten 32 Tango-Trams zur Verfügung haben. Auch diese Fahrzeuge sind seither erfolgreich im Fahrgastbetrieb unterwegs.

Euroschwäche trifft Stadler hart

Der Umsatz der Stadler Rail Group betrug CHF 1,39 Mrd. und lag damit rund CHF 300 Mio. über dem Vorjahr. Für 2012 wird mit einem Umsatz von rund CHF 2,25 Mrd. gerechnet. Das Wachstum der Jahre 2011 und 2012 ist vor allem auf den hohen Auftragseingang in den Jahren 2008 (CHF 2,6 Mrd.) und 2010 (CHF 2,9 Mrd.) zurückzuführen. Im letzten Jahr erreichte Stadler einen Bestellungseingang von rund CHF 1,3 Mrd., was dem Wert von 2009 entspricht, jedoch deutlich unter den Rekordjahren 2008 und 2010 liegt.

Um die aufgebauten Kapazitäten und Arbeitsplätze auch mittelfristig sichern zu können, muss Stadler angesichts des starken Frankens noch härter um Aufträge kämpfen. Von den inzwischen rund 4500 Mitarbeitenden arbeiten zwei Drittel in der Schweiz. Rund zwei Drittel der Produktionsleistung der Division Schweiz gehen indes in den Export, wobei es wegen der Währungsverwerfungen schwierig geworden ist, Ausschreibungen zu gewinnen.

Selbst bei Ausschreibungen in der Schweiz ist Stadler gegenüber der Konkurrenz aus dem Euroraum aufgrund des hohen Frankenkurses stark benachteiligt. Dies hat sich 2011 bei der Ausschreibung der Basler Verkehrsbetriebe BVB gezeigt: Stadler verlor wegen des Eurokurses, da der siegreiche Mitbewerber mit Produktionsstätten in Ostdeutschland und Österreich zu einem deutlich tieferen Preis kalkulieren konnte. Der Entscheid ist ein klares Signal, dass der Schweizer Industrie bei diesen Währungskursen nicht nur im Export, sondern auch im Heimmarkt Schweiz ein rauer Wind entgegen weht.

Verkaufserfolge 2011

Trotz des schwierigen Währungsumfelds gab es für Stadler auch einige Verkaufserfolge zu verzeichnen, unter anderem:

Verkaufserfolge in Deutschland

Im abgelaufenen Jahr ist es Stadler Pankow gelungen, mehrere sehr bedeutende Verkaufserfolge zu erzielen. Besonders zu erwähnen sind dabei folgende Aufträge:

Diese Erfolge reihen sich in die bereits guten Verkaufsergebnisse der Division Deutschland in den Vorjahren ein. Dank der guten Perspektiven hat Stadler Pankow im Jahr 2011 zwei zusätzliche Standorte in Betrieb genommen: In Berlin-Reinickendorf werden Rohwagenkasten gefertigt und lackiert und in Berlin-Hohenschönhausen wurde ein zweites Endmontagewerk eröffnet.

Neue Märkte

Angesichts der durchzogenen Aussichten im Euro-Raum gewinnt der Aufbau neuer Märkte an Bedeutung. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sieht Stadler ein grosses Potential. Bereits in der Abwicklung befinden sich die früher eingegangenen Aufträge aus Weissrussland und Estland. Mitte 2011 ging eine erste Bestellung aus Russland ein. Der Russische Konzern Transmashholding TMH bestellte 100 vierachsige Diesel-Antriebsteile, wovon zwei vorab als Prototypen geliefert werden. Die Antriebsteile werden in 50 Triebzüge eingebaut, welche die TMH-Tochter Metrovagonmash für die Russische Eisenbahn RZD fertigt. Um weitere Aufträge aus der Wirtschafts- und Zollunion Russland/Weissrussland/Kasachstan zu gewinnen, wird vom Besteller erwartet, dass ein Teil der Wertschöpfung vor Ort generiert wird. Stadler erwartet eine Bestellung über weitere 19 Züge für Weissrussland im 3. Quartal 2012. Daher prüft Stadler Rail den Aufbau einer Produktionsstätte in Minsk.

Verstärkung des Verwaltungsrats und Verbreiterung des Managements

An der heutigen Generalversammlung wird Wojciech Kostrzewa, Präsident und CEO der polnischen ITI Group als zusätzliches Mitglied in den Verwaltungsrat gewählt. Damit wird der Verwaltungsrat von acht auf neun Mitglieder erweitert.

Die Stadler Rail Group ist in den letzen Jahren stark gewachsen. Um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern, wurde die Führungsstruktur verstärkt. Peter Spuhler übergab die Leitung der Division Schweiz an den langjährigen CEO von Stadler Bussnang, Markus Bernsteiner, bleibt aber Verwaltungsratspräsident und Group CEO von Stadler Rail. Als neuer CEO von Stadler Bussnang konnte mit Dr. Thomas Ahlburg, dem ehemaligen Leiter des Bombardier-Werks in Görlitz, eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit aus der Schienenfahrzeugbranche gewonnen werden. Geschäftsführer von Stadler Altenrhein ist seit 1. Januar 2012 Markus Sauerbruch, zuletzt bei Sulzer Metco Leiter der Equipment Business Unit.

Neuer CEO von Stadler Szolnok ist seit November Jens Hofmann, der in verschiedenen Funktionen für Siemens tätig war. Unter anderem leitete er in Krefeld die Fertigung für Untergestelle und Wagenkästen. Die Leitung von Stadler Algier hat seit Anfang Jahr Nicolas Rambert inne. Er war für Contraves Space und Alcan tätig. Seit 2008 leitete er eine Produktionsabteilung bei Schweiter Technologies.

Zukunftsaussichten

Die Auswirkungen der Eurokrise sind derzeit noch nicht absehbar. Ab Ende 2013 ist die Auslastung der Schweizer Standorte noch nicht gesichert. Stadler Rail hat bereits vor längerer Zeit Massnahmen zur Steigerung der Produktivität und zur Kostensenkung eingeleitet und neue Fahrzeugkonzepte entwickelt. Somit wird Stadler den Währungsverwerfungen insbesondere durch Innovationen und Technologieführerschaft begegnen. In diesem Jahr laufen in der Schweiz zwei wichtige Ausschreibungen: Die SBB benötigen Hochgeschwindigkeitszüge für den Verkehr durch den neuen Gotthardbasistunnel nach Italien und die Verkehrsbetriebe Zürich beschaffen neue Trams. Nachdem Stadler beim letzten Grossauftrag der SBB nicht zum Zuge kam, sind diese beiden Ausschreibungen von grosser Bedeutung.

Pressemeldung der Stadler Rail Group.


URL: Homepage Stadler Rail Group
Meldung vom 15.06.2012

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