
Der Vossloh-Konzern ist im ersten Halbjahr 2011 durch Projektverzögerungen vor allem in China und Russland belastet worden. Bedingt durch diese externen Faktoren entwickelten sich Umsatz und Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Vorjahresvergleich rückläufig.Der Konzernumsatz erreichte in den ersten sechs Monaten 561,5 Mio. € (Vorjahr:
683,1 Mio. €), das EBIT lag bei 44,5 Mio. € nach 80,4 Mio. € im
Vorjahreszeitraum. Die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr hatte der
Vossloh-Konzern Anfang Juli reduziert, denn in China kam es als Folge eines
Wechsels an der Spitze des Eisenbahnministeriums im Frühjahr zum
Projektstillstand beim Bau verschiedener Hochgeschwindigkeitsstrecken. In
Russland führten Probleme anderer Komponentenhersteller für das Gleissystem
ebenfalls zu zeitlichen Verschiebungen. „Unsere Geschäftsperspektive ist
kurzzeitig beeinträchtigt“, sagte Werner Andree, Vorstandssprecher der Vossloh
AG. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Vossloh bereits im kommenden Jahr wieder
deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen erzielen kann, denn unsere
Auftragsbücher sind gut gefüllt. Vossloh wird an den Wachstumskurs der
vergangenen Jahre anknüpfen.“ Der Auftragsbestand im Konzern liegt mit 1,4 Mrd.
€ auf einem sehr hohen Niveau.
Im ersten Halbjahr erreichte die
EBIT-Marge 7,9 %, der Return on Capital Employed (ROCE) lag bei 11,1 %. Der
Konzernüberschuss betrug 27,1 Mio. €, das Ergebnis je Aktie 2,04 €. Die
Nettofinanzschuld des Vossloh-Konzerns zum 30. Juni 2011 ging deutlich auf 83,8
Mio. € zurück. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 200,7 Mio. €
betragen.
Rail Infrastructure
Der Geschäftsbereich Rail
Infrastructure erwirtschafte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 373,3 Mio. €.
Die Erlöse liegen damit um 14,9 % unter dem Vorjahreswert. Das EBIT des
Geschäftsbereichs betrug 45,9 Mio. € (Vorjahr: 74,7 Mio. €). Der Auftragseingang
stieg im ersten Halbjahr 2011 auf 478,1 Mio.€ (Vorjahr: 460,4 Mio.€).
Das
Geschäftsfeld Fastening Systems erreichte im ersten Halbjahr einen Umsatz von
138,5 Mio. € (Vorjahr: 177,3 Mio. €). Hier wirkte sich die Verzögerung beim Bau
chinesischer Hochgeschwindigkeitsstrecken spürbar aus. In Deutschland und
anderen großen Märkten entwickelte sich das Geschäft dagegen positiv.
Die Umsätze des Geschäftsfeldes Switch Systems beliefen sich auf 194,5
Mio. € (Vorjahr: 219,6 Mio. €). Zu dem Rückgang trug eine verhaltene Nachfrage
in Südeuropa ebenso bei wie die Aussetzung eines Großprojektes in Libyen. Im
zweiten Quartal verzeichnete das Geschäftsfeld mit 113,3 Mio. € jedoch bereits
höhere Umsätze als in den ersten drei Monaten des Jahres.
Im
Geschäftsfeld Rail Services stiegen die Umsätze im ersten Halbjahr um 2,2 % auf
43,0 Mio. €.
Transportation
Der Geschäftsbereich Transportation
erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz in Höhe von 188,6 Mio. € (Vorjahr:
244,4 Mio. €). Das EBIT des Geschäftsbereichs erreichte 7,1 Mio. € nach 14,6
Mio. € im Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang fiel im ersten Halbjahr mit
419,3 Mio. € sehr gut aus (Vorjahr: 113,6 Mio. €). Dazu trug im zweiten Quartal
auch ein Großauftrag zur Lieferung von Straßenbahnen an die Stadt Rostock im
Volumen von rund 40 Mio. € bei. Der Auftragsbestand beträgt zur Jahresmitte
knapp 800 Mio. €.
Im Geschäftsfeld Transportation Systems erreichten die
Erlöse 119,0 Mio. € (Vorjahr: 163,2 Mio. €). Der Lokomotiven-Standort Kiel
verzeichnete dabei im ersten Halbjahr ein Umsatzplus um 9,8 Mio. € auf 43,7 Mio.
€. Der spanische Standort Valencia, an dem Lokomotiven und Nahverkehrsbahnen
gefertigt werden, erlöste 75,3 Mio. € (Vorjahr: 129,3 Mio. €). Der Rückgang ist
Folge des schwachen Auftragseingangs im Vorjahr und war so erwartet worden.
Inzwischen aber ist der Auftragsbestand in Valencia stark gestiegen, so dass ab
der ersten Jahreshälfte 2012 auch dort deutlich höhere Umsätze erwartet werden.
Das Geschäftsfeld Electrical Systems erzielte im ersten Halbjahr Umsätze
von 71,6 Mio. €. Dies entspricht einem Rückgang um 13 %.
Fast 5000
Mitarbeiter
Im Vossloh-Konzern waren zum 30. Juni 2011 weltweit 4.993
Mitarbeiter beschäftigt (Vorjahresstichtag: 4.907). Die höhere Mitarbeiterzahl
erklärt sich vor allem durch das Geschäftsfeld Rail Services, in dem die
Mitarbeiterzahl zum weiteren Ausbau der Schienenpflege steigt. In Deutschland
beschäftigte der Vossloh-Konzern zum 30. Juni 2011 insgesamt 1.743
Mitarbeiter.
Aktienrückkauf
Der Vorstand der Vossloh AG hat am
26. Juli 2011 mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die 1.470.630 Stück
eigenen Aktien (rund 9,94 % des Grundkapitals) ohne Herabsetzung des
Grundkapitals einzuziehen. Zudem wurde beschlossen, bis zu 1.332.529 Aktien der
Gesellschaft, das entspricht bis zu 10 % des Grundkapitals nach Durchführung der
Einziehung, über die Börse zurück zu erwerben. Der Aktienrückkauf soll am 27.
Juli 2011 beginnen und bis spätestens zum 30. Juni 2012 abgeschlossen sein. “Das
Aktienrückkaufprogramm wird sich positiv auf den Gewinn pro Aktie auswirken,
optimiert unsere Kapitalstruktur und unterstreicht unsere Zuversicht in das
weitere Wachstumspotential der Vossloh AG“, sagte Werner Andree, Sprecher des
Vorstands der Vossloh AG.
Ausblick
Für das Jahr 2011 hatte
Vossloh bereits am 7. Juli 2011 die ursprüngliche Gewinnerwartung
zurückgenommen, da externe Faktoren in Auslandsmärkten die Aussichten für das
laufende Geschäftsjahr beeinträchtigen. Aus aktueller Sicht erwartet das
Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 Umsätze von bis zu 1,25 Mrd. € sowie ein
EBIT zwischen 120 und 130 Mio. €. Für das Jahr 2012 erwartet Vossloh wieder
deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum. Gestützt wird diese Einschätzung durch
den hohen Auftragsbestand, der zum 30. Juni 2011 mit rund 1,4 Mrd. € weiterhin
auf Rekordniveau liegt.
Die wichtigsten Kennzahlen im
Überblick
| Vossloh-Konzern | |
HJ 1 2010 | HJ 1 2011 | ? % | Q2 2010 | Q2 2011 | ? % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | Mio.€ | 683,1 | 561,5 | -17,8 | 387,7 | 302,0 | -22,1 |
| EBIT | Mio.€ | 80,4 | 44,5 | -44,7 | 44,9 | 26,6 | -40,9 |
| EBIT-Marge | % | 11,8 | 7,9 | - | 11,6 | 8,8 | - |
| ROCE | % | 18,3 | 11,1 | - | 20,2 | 13,5 | - |
| Wertbeitrag | Mio.€ | 32,2 | 4,5 | -86,0 | 20,6 | 6,8 | -66,7 |
| Konzernüberschuss | Mio.€ | 50,7 | 27,1 | -46,5 | 27,9 | 16,8 | -39,9 |
| Ergebnis je Aktie | € | 3,81 | 2,04 | -46,5 | 2,10 | 1,26 | -39,9 |